Der Schulweg durch den Schnee
RekonstruktionAppenzell, Winter 1938: Holzschuhe mit Zeitungspapier, ein verschneiter Schulweg und die Wolljacke der Lehrerin.
Im Winter 1938 lag so viel Schnee, dass der Schulweg vom Weiler bis ins Dorf fast eine Stunde dauerte. Ich war acht und trug die Holzschuhe meines Bruders, zwei Nummern zu gross, mit Zeitungspapier ausgestopft.
Unterwegs trafen wir uns mit den Kindern vom nächsten Hof. Wer zuerst kam, machte die Spur. Die Lehrerin, Frau Keller, heizte den Ofen im Schulzimmer schon um sieben, und wenn wir ankamen, lagen auf dem Ofen die nassen Fäustlinge zum Trocknen – es roch nach feuchter Wolle und Buchenholz.
Einmal rutschte ich in den Graben und kam durchnässt an. Frau Keller gab mir ihre eigene Wolljacke und einen heissen Hafertee. Diese Wärme habe ich nie vergessen. Heute fahren die Kinder mit dem Bus, und der alte Schulweg ist eine Wiese. Manchmal gehe ich ihn trotzdem noch, wenn es schneit.
🏙️ Was ist heute an diesem Ort?
Der alte Schulweg ist heute eine Wiese. Das Schulhaus in Appenzell steht noch, die Kinder fahren längst mit dem Bus – aber bei Schnee erinnern sich die Grosseltern gern.
Quellen & Hinweise
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