📍 Schüpfheim, Entlebuch, Luzern

Der letzte Sommer auf der Alp Obere Egg

Rekonstruktion

Ein siebzehnjähriger Senn verbringt 1954 seinen letzten Sommer auf der Alp über dem Entlebuch – zwischen Käsekessel, Wetterlesen und dem Alpabzug im September.

1954 · Schüpfheim, Entlebuch · Landwirtschaft
Rekonstruktion
Quelle: Mündliche Überlieferung / Community-Beitrag
Erzählt von Josef Barmettler 5 Aufrufe

Ich war siebzehn, als ich meinen letzten Sommer als Senn auf der Alp Obere Egg verbrachte. Um halb fünf läutete die Glocke des Alphäuschens, und die Kühe wussten schon, was kam. Wir melkten von Hand, zwölf Kühe, eine nach der anderen, und die Milch trugen wir in die Sennhütte, wo der Käsekessel über dem offenen Feuer hing.

Mein Vater sagte immer: „Auf der Alp lernst du mehr als in jeder Schule.” Er hatte recht. Ich lernte, das Wetter zu lesen, bevor es über die Schrattenflue kam, und ich lernte, dass ein kalter Morgen um vier Uhr leichter ist, wenn man weiss, dass um sieben der Kaffee heiss ist.

Im September dann der Alpabzug. Die Kühe geschmückt, die Glocken poliert. Unten im Dorf warteten die Leute, und meine Mutter weinte ein bisschen, wie jedes Jahr. Heute steht auf der Obere Egg kein Sennhüttli mehr. Nur noch der Kalkofen und die Lärche, unter der wir am Mittag im Schatten sassen.

🏙️ Was ist heute an diesem Ort?

Die Alp Obere Egg wird heute nur noch im Sommer beweidet; gekäst wird nicht mehr. Das Gebiet gehört zum UNESCO-Biosphärenreservat Entlebuch – ein Wanderweg führt vorbei.

Quellen & Hinweise

Mündliche Überlieferung / Community-Beitrag

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